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Fluchten - K.-H. G.Hötensleben-Fleitzmühle 10.02.1963 -  I

Teil I

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Am 08. November 1962 wurde ich aus der NVA Kommando Grenze entlassen. Bis 1960 lautete der Name “Deutsche Grenzpolizei”. Als Arbeitsplatz wurde mir eine Schulplatz bei der Fachschule für Landwirtschaft in Wernigerode zugewiesen. Ich hatte zu dieser Zeit bereits den Facharbeiterbrief für Landwirtschaft. Dort erhielt ich ein Stipendium für 3 Jahre und eine monatliche Zuwendung in Höhe von 190,- Mark. In meiner Klasse war zu Beginn noch ein ehemaliger Angehöriger der Grenztruppe. Nach dem Weihnachtsurlaub 1962 kehrte dieser und ein weiterer Schüler nicht zum Unterricht zurück. Anschließend kam die Kripo und hat die gesamte Klasse verhört. An der Grenze wurden damals 2 Bettlaken im Minenfeld gefunden sowie ein Stempel der Fachschule in Wernigerode. Nach ein paar Tagen kam eine Ansichtskarte aus Hannover. In dem berichtete der geflüchtete Schüler, das er bereits einen Arbeitsplatz hätte.

Anfang Februar eröffnete mir meine Dozentin, meine Leistungen wären zu schlecht. Ich sollte daher erst noch ein Praktikum von einem Jahr in der Landwirtschaft absolvieren. In den folgenden Tagen habe ich 2 Koffer gepackt und zum Bahnhof gebracht. Die Koffer schickte ich zu meinen Eltern. Am kommenden Samstag habe ich am Abend abgemeldet, um zu einem Geburtstag in Berlin zu fahren. Mit einer Aktentasche, in der sich nur ein paar persönliche Papiere sowie ein Bettlaken und ein Kopfkissenbezug befanden, bin ich dann zum Bahnhof in Wernigerode gegangen. Mit dem Zug ging es dann nach Halberstadt. Dort stieg ich in einen Zug Richtung Oschersleben. In Oschersleben kam ich gegen 21.00 Uhr an. Von dort ging es zu Fuß auf der Straße über Hamersleben in Richtung Wackersleben und Ohrsleben. Auf halber Strecke überholte mich ein LKW in Richtung Wackersleben. Vor dem LKW konnte ich mich nicht verstecken, da der Straßengraben voller Schnee war. Der Fahrer hielt an und fragte mich, ob er mich mitnehmen solle. Vor Wackersleben fragte der Fahrer, ob ich einen Passierschein für das Sperrgebiet hätte und öfters dort hinkomme.

In Wackersleben fragte der Fahrer, wo er mich absetzen solle. Ich zeigte ihm darauf hin ein Haus, bei der der Eingang nach hinten lag, und das nicht erleuchtet war. Nach dem abfahren des LKW blieb ich zur Sicherheit noch 5 Min. stehen. Der Fahrer war mir vom Sehen bekannt. Er arbeitete für die LPG in Oschersleben. Nach dieser Wartezeit bin ich dann zum Ende der Straße und dann durch den tiefen Schnee immer quer feldein, immer parallel zur Straße von Wackersleben nach Ohrsleben. Ich hatte mich zwischen- zeitlich in das Bettlaken eingehüllt und über die Aktentasche den Kopfkissenbezug gezogen. Zu meinem Schreck sah ich dann auf der Straße ein Motorrad. Vom Geräusch her hörte es sich wie das alte B-Krad von der Grenzkompanie Ohrsleben. Ich bewegte mich nun schneller vorwärts. Dazu kam die Angst, das der Lkw-Fahrer bei der Grenzkompanie Ohrsleben Meldung gemacht hätte..

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