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Zwischenfälle im Bereich der BGS Abteilung Braunschweig - Teil  I

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An der innerdeutschen Grenze kam es immer wieder zu Zwischenfällen. Teilweise verliefen sie glimpflich, aber auch oft dramatisch und tödlich. Der Beginn der Eskalation lag in den meisten Fällen ostwärts der Grenze, in einigen Fällen begann die Eskalation aber auch auf bundesdeutscher Seite.

In der folgenden Aufzählung fällt der Raum Offleben durch besonders viele Eintragungen auf. Hier gab es vor allen in den fünf- ziger Jahren zahlreiche Grenzzwischenfälle zwischen BGS und der Grenzpolizei, bzw. der späteren Grenztruppen. Das lag vor allem an den ausgiebigen Braunkohlevorräten, welche unter dem Gebiet lagen und um deren Ausbeutung natürlich hart gerungen wurde. Desweiteren fällt auf, das es in der Zeit bis in die sechziger Jahre hinein viel mehr Zwischenfälle gab, als im folgenden Zeitraum bis zum Fall der Grenzsperren in 1989. Die Begründung dafür liegt sicherlich auch in der damaligen Art der Grenzbefestigung. Es war sehr viel provisorisch abgesperrt, es gab keine klare Grenzziehung und so passierten viele Zwischenfälle einfach aus Leichtsinn, bzw. durch Unachtsamkeit.

25.05.1952  -  Offleben: Die Grenzpolizei beschlagnahmt unvermutet Arbeitsgerät der westdeutschen Braunschweigischen Kohlenbergwerke. Die Beschlagnahme erfolgt auf dem sowjetzonalen Gebiet der Kohlengruben. Die Maschinen wurden bis zu diesem  Zeitpunkt dort betrieben.

22.06.1952  -  Reinsdorf: 43 Arbeiter der Braunschweiger Kohlenbergwerke räumen direkt an der Grenzlinie Arbeitsgerät auf. Während der Arbeiten werden sie von Grenzpolizisten in die damalige SBZ verschleppt. Die Grepo`s nehmen auch die Betriebslok der Grube Viktoria mit. Am Tag darauf kommen die Arbeiter in den Westen zurück.

25.06.1952  -  Offleben: Sowjetische Soldaten dringen in die Ziegelei von Preußisch-Offleben ein. Diese liegt direkt an der Grenze. Unter der Bevölkerung verbreitet sich das Gerücht, das die Sowjets den Ort besetzen wollen. Viele Bewohner denken an eine Flucht. Der BGS stationiert einen Zug in dem Ort um den Bewohnern das Gefühl von Sicherheit zu geben.

11.08.1952  -  Offleben: Die Sowjets besetzen in der Nähe von Preußisch-Offleben eine Stellung. Das BGS-Kommando in Hannover verstärkt daraufhin die BGS Kräfte in Offleben. Damit soll die Bevölkerung beruhigt werden.

08.09.1952  -  Offleben: Nahe Offleben überschreiten zwei Grenzpolizisten die Grenze. Eine zufällig vorbeikommende Streife des BGS schießt eine Leuchtkugel ab. Die beiden Grenzpolizisten ziehen sich zurück. Auf die BGS-Streife werden direkt danach von ostwärtiger Seite 6 Gewehrschüsse abgefeuert.

11.12.1952  -  Offleben: Bei Offleben verletzen 2 sowjetische Soldaten den Grenzverlauf, ziehen sich aber bei Erscheinen einer BGS-Streife wieder zurück.

25.12.1952  -  Offleben: Zwei Grenzsoldaten überschreiten die Grenze. Auch sie ziehen sich sofort zurück, als eine BGS- Streife am Ort erscheint. Der BGS verschießt eine Leuchtpatrone.

12.01.1953  -  Offleben: Beim errichten eines Stacheldrahtzaunes überschreiten die Arbeiter ständig die Grenze.

20.03.1953  -  Harbker Straße: Drohung eines Oberleutnants der Grenzpolizei

29.07.1953  -  Wulfersdorf: Die Grenzpolizei errichtet einen Stacheldrahtzaun direkt auf der Grenzlinie. Der BGS setzt insgesamt 3 Züge ein und bleibt direkt vor Ort, bis die Bauarbeiten eingestellt werden.

30.07.1953  -  Offleben: In der Grube Viktoria war durch viel Niederschlag in der vergangenen Nacht Hochwasser entstanden, weil ein Damm der “Aue” gebrochen war. Ein weiterer Damm drohte zu brechen, dann wäre die gesamte Grube vollgelaufen. Damit wäre ein riesiger wirtschaftlicher Schaden entstanden. Der Bereitschaftszug des BGS wurde daraufhin alarmiert und nach Offleben beordert. Die Dammbruchstelle befand sich auf sowjetzonalen Gebiet. Nach einer Kontaktaufnahme mit einem Offizier der Grenzpolizei durften BKB-Arbeiter den Dammbruch reparieren. Dazu wurde eine Raupe eingesetzt.

24,07.1954  -  Helmstedt- Brunnental: Überfall auf Zollsekretär Zach von GAST Brunnental, ZK Helmstedt. Die Täter Conrad
und Dörge werden verurteilt.

20.12.1956  -  Offleben: Drei Erwachsene und zwei Kinder flüchten mit einem LKW der mit Stahlplatten gesichert ist. Der LKW wird noch beschossen, nachdem er den Zaun durchbrochen hat und auf westdeutschen Gebiet zu stehen kommt.

11.06.1958  -  Jerxheim: Sowjetzonale Grenzpolizisten haben auf der Brücke am Kiebitzdamm einen zweiten Drahtzaun errichtet. Dieser befindet sich auf Bundesgebiet. Als eine BGS-Streife erscheint, ziehen sich die Grepo`s zurück.

16.06.1958  -  Mackendorf/Kr.Helmstedt: Pioniere des Grenzkommandos setzen ca. 40 Betonpfähle auf Bundesgebiet. Nach Intervention eines westd. Zollkommissars setzen sie die Pfähle auf ostzonales Gebiet zurück.

18.06.1958  -  Jerxheim: Zollbeamte beseitigen den Zaun, der am 11.06. widerrechtlich auf dem Kiebitzdamm errichtet wurde.

19.06.1958  -  Jerxheim: Offiziere der Grenzpolizei sprechen am Kiebitzdamm eine Zollstreife an und drohen mit Worten wegen der Entfernung des Zaunes. Der bundesdeutsche Zoll hält den Raum in der nächsten Zeit unter Beobachtung.

14.06.1960  -  Mattierzoll: Ein Zöllner hörte von der Grenze her Schüsse. Dann sah er eine männliche Person auf sich zulaufen. Diese Person wollte der Zollbeamte festnehmen. Als diese weiterlief, schoss er zwei Warnschüsse ab. Danach einen gezielten Schuss, der die flüchtende Person in die Ferse traf.

29.08.1961  -  Grasleben: Bei Grasleben nehmen Soldaten der Grenztruppe 2 Beamte des BGS fest, die irrtümlich die DL um 3 Meter überschritten hatten. Sie werden nach 5 Stunden wieder freigelassen.

10.02.1963  -  Hötensleben: westlich von Hötensleben, im Bereich der Fleitzmühle flüchtet ein Bewohner der DDR. Ihm kommt
zu Hilfe, das er kurz vor der Flucht als Angehöriger der GT dort stationiert war und die Lage der Minenfelder kennt.

1964  -  Jerxheim: Im Raum Jerxheim werden Hanfnetze gespannt um ein Spülen von Minen bei Hochwasser zu verhindern.

11.04.1964  - Söllingen: Eine Person aus Jerxheim überquerte bei der Strohpresse die DL und trat auf eine Mine. Bei der Explosion wurde dem Mann der linke Unterschenkel zerfetzt. Der Verletzte wurde in das Krankenhaus in Schöningen gebracht, wo ihm das li. Bein unterhalb des Knies amputiert werden mußte. Der Mann wollte zu seinen Bruder in Wackersleben.

16.10.1964  -  Steinfelder Zoll:  Ab 10 Uhr fällt ein ca. 20 Mann starkes Arbeitskommando der NVA-GT am Steinfelder Zoll
4 Sträucher und einen Apfelbaum. Die Bepflanzungen standen alle auf Bundesgebiet.

17.10.1964  -  Helmstedt: Soldaten der Grenztruppen roden auf bundesdeutscher Seite Buschwerk. Ein Streife des BGS verweist sie auf ostdeutsches Gebiet zurück.

28.12.1964  -  Offleben: Auf einen Flüchtling werden um 06:55 Uhr ca. 30 Schüsse abgegeben. Kurz vor erreichen des Zaunes bleibt er leblos liegen. Die Schüsse kamen von einem Holz-BT (Grube Kardine) der zwischen dem Ort und der Ziegelei Offleben steht.

16.05.1965  -  Hornburg: Ein Doppeldecker der NVA überflog das Bundesgebiet zwischen dem Fluß Ilse und Horburg. Er
befand sich zeitweise über 50m auf Bundesgebiet.

27.06.1965  -  Beendorf: Ein Bundesbürger überschritt um 16:40 Uhr die Grenze und trat dabei auf eine PMD-6 Mine. Diese riss ihm den re. Unterschenkel ab. Er konnte sich selber wieder in die Bundesrepublik schleppen und kam in das Helmstedter Krankenhaus.

09.10.1966 - Zusammenfluß nördl. Papstorf: Zwei noch Jugendliche (15 und 17 Jahre alt) flüchten im Bereich des Grenzknicks.
Eine Doppelstreife der GT vor Ort reagiert nicht, da sie von Besuchern auf westl. Seite gerade Zigaretten bekommen hatte
und sich mit diesen noch im Gespräch befindet. Ein hinzugekommener Unteroffizier reagiert ebenfalls nicht. Es gibt keinerlei
Schüsse auf die Flüchtlinge. Sie werden von den Besuchern auf westl. Seite aus dem Großen Graben gezogen. Die drei Sol-
daten müssen sich später vor Gericht für ihr Verhalten verantworten.


09.09.1966  -  Barneberg: Ein 20 jähriger Bürger der DDR trat bei seiner Flucht im Bereich der Barneberger Straße auf eine Mine (PMK 40) und löste sie aus. Dabei verlor er sein Bein. Gresos bargen ihn innerhalb des Doppelzaunes und transportierten ihn anschließend ab. Hilfe vom Bundesgebiet wurde dabei durch die Androhung des Schusswaffen- gebrauchs verhindert.

05.09.1967  -  Raum Elm - Westerburg: Zwischen 16:35 - 16:45 Uhr überflog ein Düsenflugzeug unbekannter Nationalität
das angegebene Gebiet.

16.04.1968  -  Hornburg: Zwei jugendliche Besucher der Zonengrenze kriechen im Bereich der Straße Hornburg - Osterwieck
durch den Zaun. Als sie auf das Bundesgebiet zurück kehren wollen, werden sie mit ca. 15 Schüssen aus einer MP beschossen.

13.07.1968  -  Hötensleben: In der Morgendämmerung flüchtet der Grenztruppenangehörige H. P. mit einem Kameraden südlich von Hötensleben über die Brücke des ehemaligen Bahndamms. Die Waffe benutzen die Beiden dabei als Steighilfe um den Zaun zu überwinden. Die Flucht bleibt zunächst unbemerkt. Die Soldaten melden sich bei einem Pförtner eines Schöninger Unternehmens.  Mehr Informationen zu der Flucht in einem Zeitzeugenbericht

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