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Zeitzeugenberichte IX

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Karl- Heinz G. ehem. Wernigerode

Dieser Zeitzeugenbericht befindet sich auch unter “Fluchten”.

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Am 08. November 1962 wurde ich aus der NVA Kommando Grenze entlassen. Bis 1960 lautete der Name “Deutsche Grenzpolizei”. Als Arbeitsplatz wurde mir eine Schulplatz bei der Fachschule für Landwirtschaft in Wernigerode zugewiesen. Ich hatte zu dieser Zeit bereits den Facharbeiterbrief für Landwirtschaft. Dort erhielt ich ein Stipendium für 3 Jahre und eine monatliche Zuwendung in Höhe von 190,- Mark. In meiner Klasse war zu Beginn noch ein ehemaliger Angehöriger der Grenztruppe. Nach dem Weihnachtsurlaub 1962 kehrte dieser und ein weiterer Schüler nicht zum Unterricht zurück. Anschließend kam die Kripo und hat die gesamte Klasse verhört. An der Grenze wurden damals 2 Bettlaken im Minenfeld gefunden sowie ein Stempel der Fachschule in Wernigerode. Nach ein paar Tagen kam eine Ansichtskarte aus Hannover. In dem berichtete der geflüchtete Schüler, das er bereits einen Arbeitsplatz hätte.

In diesem Moment fiel mir ein, das die Grenzkompanie, wenn genügend Posten zur Verfügung standen, einen Doppelposten südl. des Wäldchens zur Sicherung der Minengasse aufstellten. Ich ändere meinen Plan und ging ca. 200 m nördlich von dem Wäldchen bis ans Minenfeld. Von dem ersten Stacheldrahtzaun hakte ich einen Draht nach oben zusamme und nach unten. Ich stieg in das abgezäunte Minenfeld hinein. Anschließend stetzte ich mich in den Schnee und rauchte erst einmal eine Zigarette. Dabei beobachtete ich das Gelände in Richtung Osten. Während ich rauchte, überlegte ich, wie ich jetzt durch das Minenfeld komme. Mir war bekannte, dass das Minenfeld nur auf halber Breite auf der Seite zur Bundesrepublik hin mit 2 Reihen Holzkasten-Infanterieminen vermint war. Die Reihen lagen ca. 2 m auseinander. Der Abstand der Minen in jeder Reihe war auch ca. 2 Meter. Die Minen in den beiden Reihen verschoben sich auf Lücke, so lag etwa auf jeden laufenden Meter eine Mine.

In Wackersleben fragte der Fahrer, wo er mich absetzen solle. Ich zeigte ihm darauf hin ein Haus, bei der der Eingang nach hinten lag, und das nicht erleuchtet war. Nach dem abfahren des LKW blieb ich zur Sicherheit noch 5 Min. stehen. Der Fahrer war mir vom Sehen bekannt. Er arbeitete für die LPG in Oschersleben. Nach dieser Wartezeit bin ich dann zum Ende der Straße und dann durch den tiefen Schnee immer quer feldein, immer parallel zur Straße von Wackersleben nach Ohrsleben. Ich hatte mich zwischen- zeitlich in das Bettlaken eingehüllt und über die Aktentasche den Kopfkissenbezug gezogen. Zu meinem Schreck sah ich dann auf der Straße ein Motorrad. Vom Geräusch her hörte es sich wie das alte B-Krad von der Grenzkompanie Ohrsleben. Ich bewegte mich nun schneller vorwärts. Dazu kam die Angst, das der Lkw-Fahrer bei der Grenzkompanie Ohrsleben Meldung gemacht hätte..