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Zeitzeugenberichte IV

Detlef_R

Detlef R., ehemals Grenzkompanie Dedeleben

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Ich habe eine skurrile Geschichte zu berichten, die sich im April/Mai 1984 ereignet hat. Wir vom Grenzaufklärungs- zug der Grenzkompanie Dedeleben waren feindwärts ( d. h. vor dem Zaun) am Hessendamm eingesetzt, dort wo sich damals die F 79 und die B 79 trafen. Wir sollten Material für einen Ausbildungsfilm über die Britische Rheinarmee drehen und waren so längere Zeit täglich am Hessendamm. Nach einiger Zeit bekamen wir Gesellschaft, einige Jugenliche fanden sich regelmäßig ein.

Sie kamen immer mit einem VW-Golf, das Kennzeichen war WF - WE 23, und gefahren wurde der Golf von einem Mädchen, das von den anderen “Silke” genannt wurde. Nach einigen Tagen hat mir Silke, nachdem sie sich bei einer BGS-Streife nach meinem Dienstgrad erkundigt hatte, mitgeteilt, das sie mich mag, zuerst auf der Barriere und dann mittels eines Briefchens, das sie über die Grenze geschoben hatte. Die ganze Angelegenheit hatte sich schon zu einem regelrechten Event entwickelt, und die Zahl der Besucher war immer größer geworden.

Schließlich tauchte auch noch regelmäßig ein PKW mit SZ - Kennzeichen (SZ = Salzgitter) auf und blieb stundenlang direkt vor der Barriere stehen. Das Briefchen von Silke hatte ich pflichtschuldigst abgeliefert, und bei uns hatte die ganze Sache den Status einer lustigen Begebenheit, bis ich einige Tage später nach Halberstadt zum Regimentsstab beordert wurde.

Dort hatte ich mich bei der Verwaltung 2000 (Min. für Staatssicherheit) zu melden und musste noch einmal haarklein alles erzählen, was ich ohnehin bereits gemeldet hatte. Einen Tag später wieder hin, und dort traf ich einen leibhaftigen General, der mir nach einiger Zeit “nur so reden” die Frage stellte, ob ich mir vorstellen könnte, an einer “spezifischen Maßnahme” beteiligt zu sein, für die die  “Silke”-Angelegenheit der Ausgangspunkt sein würde. Ich war wohl nicht übermäßig begeistert, denn der Ton der anschließenden Gespräche veränderte sich zusehends.

Plötzlich wurde ich auch daran erinnert, das ich bereits 1975 ein Ermittlungsverfahren wegen Verrats militärischer Geheimnisse am Halse gehabt hatte. (Ein Verfahren, das für die Militärstaatsanwaltschaft ausging wie das Hornberger Schießen, aber vergessen war es offensichtlich nicht.) Schließlich wurde mir gesagt, das so ein Mädel nicht einfach von sich aus eine Kontaktaufnahme unternimmt, sondern das es von meiner Seite ganz sicher irgendeine Ermunterung dazu gegeben haben müsse, dass ich vermutlich der ideologischen Diversion erlegen sei usw. usw.

Das alles wurde schließlich so widersinnig, das ich am 7. Oktober 1984, genau am 35. Jahrestag der DDR, ein Entlassungsgesuch abgegeben habe. Es hat dann noch bis zum 01. März 1985 gedauert, und ich war Zivilist und verantwortlich für die Sekundärrohstoff- erfassung im Kreis Querfurt, weit weg von der Grenze. Dort wurde ich nach einem Jahr fristlos entlassen - wegen Nichteignung für eine Tätigkeit im sozialistischen Staatsapparat und Versuches der Negierung der führenden Rolle der Partei. Eigentlich habe ich es dieser unbekannten “Silke” zu verdanken, dass ich mir die DDR beizeiten kritisch angeschaut habe und sie mir so vergleichsweise langsam abgewöhnen konnte. Wie gesagt - eine skurrile Geschichte...

Die Ergänzungen wurden nachträglich eingesetzt.

Vielen Dank an Herrn Detlef R. für diesen Bericht.

Diese Bilder entstanden damals im Frühjahr 1984 an der
Grenze bei Mattierzoll.

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